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Eugen Bazijan Trio


 

Eugen Bazijan (cello), Jan Eschke (piano, synth)

Bastian Jütte (drums), Alexander von Hagke (ts)

 

Die eigentliche Weltsprache ist nicht Englisch oder gar Chinesisch, es ist die Musik. Jeder versteht sie, auch wenn sie in vielen Dialekten und mit unzähligen verschiedenen Stimmen gesprochen wird. Allerdings brachte es ihre Entwicklung im vergangenen Jahrhundert mit sich, dass die einen Musiker ihre Stimme ausschließlich fremder Semantik leihen, während andere sich ganz auf die eigene Sprache konzentrieren: das Schisma zwischen komponierter und improvisierter Musik, zwischen Klassik und Jazz. Eine unnatürliche Trennung, wie immer mehr junge Musiker finden. Einer, der seit langem Brücken zwischen den beiden Genres baut, ist der Cellist Eugen Bazijan.

In der Ukraine geboren, begann er mit vier Jahren, Cello zu spielen und kam bald auf eine Schule für musisch Hochbegabte. Nach Deutschland übersiedelt, studierte er am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium nicht nur Cello, sondern auch Jazzimprovisation für Streicher, denn früh hatte er neben seiner Liebe zur klassischen Musik auch seine Leidenschaft für Jazz und Weltmusik entdeckt. So wurde er in beiden Fächern bald zum gefragten Mann; er spielt und spielt mit bedeutenden Symphonie- und Kammerorchestern ebenso wie mit Jazzbands; in Crossover-Projekten wie Hugo Siegmeths „Passaglia“ oder Alexander von Hagkes „Passo Avanti“ und zuletzt sogar mit der südafrikanischen Jazz-Ikone Abdullah Ibrahim. Nebenbei komponierte er für Theater und Film, arbeitete als Produzent, Arrangeur und sogar Manager für seelenverwandte Kollegen. Nun aber legt er sein ambitioniertestes und persönlichstes Werk vor: „Sol“ ist die Krönung seiner „Übersetzertätigkeit“ zwischen den musikalischen Welten und überdies ein beredtes Plädoyer für das Cello, das ja im Jazz immer noch eine Rarität ist.

Bazijan benutzt hier die ganze Palette musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten und zeigt, dass sich klassische Virtuosität, Klangbildung und Agogik einerseits und die Harmonik, Rhythmik und melodische Freiheit des Jazz andererseits nicht ausschließen, sondern perfekt ergänzen können. Das beginnt bei Jazz-Versionen von Telemanns 2. Satz der Cembalofantasie Nr. 9 A-Dur und dem programmatisch „Revolution“ genannten Nachfühlen der Klangästhetik Chopins bis in E-Gitarrenartige Sounds, erstreckt sich auf den rasanten Bebop des „Blues For What“ - eine Anspielung auf die unzähligen Widmungen vieler Bluestitel – und ist beim lyrischen Modern Jazz von „Eclipse“ (das im Ton großer Balladen-Standards den Moment in Klang gießt, in dem nach einer Sonnenfinsternis die ersten Strahlen des Lichts wieder durchbrechen) noch lange nicht zu Ende. „Say It“ etwa ist ein alle spieltechnischen Register ziehendes spannendes Streitgespräch, in dem eine coole Funk-Stimme sich bis zur finalen Versöhnung mit wilden Freejazz-Einwürfen auseinandersetzt. Bazijans Cello spielt dabei Funk-Bass-Licks, wie man das von diesem Instrument wohl noch nicht gehört hat. „Sol“, bei dem sowohl die Sonne wie auch der Ton „Sol“ (also das G) gemeint ist, beginnt mit einem mit einem düster-klassischen Cello-Solo, das erst in einen Rock-Rhythmus, dann in eine durch viele Changes geführte Pop-Melodie übergeht, die von Bazijans Begleiter mit freien Solo-Passagen aufgenommen wird. „Takatongo“ philosophiert über seinen Titel, der lautmalerisch einen Rhythmus vorgibt, in dem sich Tango, Afrikanisches und Jazz treffen. Und „Norweger“ schließlich arbeitet mit einem „Nordic Sound“, in dem sich Edvard Grieg oder Hugo Alven und die modernen skandinavischen Melodiker begegnen. Alles dies ist eben nicht nur virtuos und im Ton klassischer Meister gespielt, sondern mit kreativen Einfällen gespickt und vom Jazz-Spirit durchdrungen.

Womit wir auch bei der eindrucksvollen Band von Eugen Bazijan sind. „Wir haben alle Klassik und Jazz studiert“, benennt Bazijan den Schlüssel für den unvergleichlich harmonischen Gruppensound seiner musikalischen Grenzgänge. So arbeitet der Pianist Jan Eschke mit swingenden Jazzer wie Charly Antolini ebenso wie mit dem klassischen Perkussionisten Martin Grubinger oder dem NuJazz-Projekt Enders Room des Saxofonisten Johannes Enders. Mit Eschke verbindet Bazijan eine ebenso lange zurückreichende musikalische Partnerschaft wie mit Alexander von Hagke, der mit Projekten wie Passo Avanti, „Fusion Nouvelle“ oder seiner „Dark Wood Suite“ klassische und Jazzklarinette zusammenführt und als Saxofonist bei Jan Zehrfelds Panzerballett sogar Heavy Metal mit Jazz kreuzt. Mit Sebastian Wolfgruber ist schließlich einer der kommenden deutschen Schlagzeuger an Bord: „Bastian kann einfach alles: Funk voll auf die Zwölf, Latin oder Afrikanisches, und er swingt wie der Teufel und beherrscht – etwa bei „Sol“ - jede Art von Polyrhythmik,“ schwärmt Bazijan.

Gemeinsam gelingt ihnen auf „Sol“ ein mitreißender Spaziergang über die Brücken, die nur die Musik schlagen kann. In einer bildgewaltigen Sprache, die jeden erreicht, und die einen nicht zuletzt das Cello völlig neu hören lasst.

 

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