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Geoff Goodman

Zur Musik von Geoff Goodman und Gunnar Geisse

 

Das Duo GG/GG ist ein E-Gitarren Duo, allerdings: das Instrument wird hier auf sehr unkonventionelle Art und Weise gespielt und von Beiden doch recht unterschiedlich behandelt.

Während Geoff – dessen Wurzeln im Jazz, im amerikanischen Folk und in der Musik der 60er Jahre liegt – den Fokus in diesem Duo auf den Klang des Instruments und dessen elektrisch manipulierendes Instrumentarium richtet, hat Gunnar sein Instrument im wahrsten Sinne des Wortes abgelegt: es liegt die meiste Zeit neben ihm auf dem Stuhl oder Tisch und nur gelegentlich greift er es auf, um dessen direktes Signal mit dem Rechner zu bearbeiten. Ansonsten dient der Rechner dem Einsatz ganz anderer Klänge, auch wenn er bemerkenswerterweise wie ein Instrument gespielt wird. Da kommen dann Gunnars langjährige Orchestererfahrung und sein Interesse an diesem „Klangkörper“ zum Tragen.

Daneben spielt, ohne Programm sein zu wollen, Struktur/Form eine zentrale Rolle in der komplett improvisierten Musik der Beiden, sowie - ab und zu – ein Banjo.

 

Gunnar Geisse (* 11. Juli 1962 in Gießen, Deutschland) ist Musiker: Improvisator, Komponist und Interpret. Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen experimenteller/improvisierter Musik und Neuer Musik. Dafür entwickelte er ein komplexes Instrumentarium aus elektrischer Gitarre und elektronischer Klangverarbeitung, das er laptop guitar nennt. Außerdem spielt er diverse andere Saiteninstrumente, neben Banjo und Mandoline vornehmlich solche aus Zentralasien, wie usbekische oder persische Dotâr.

 

Leben

Geisse hat seine musikalische Laufbahn in der frühen Jugend als Rock-Gitarrist begonnen. Mit Ende der Schulzeit wechselte er in den Bereich Jazz und absolvierte im Anschluss eine Ausbildung zum E-Gitarristen. Bei einem Konzertbesuch des Moers Festivals sah er, wie sich Ornette Coleman in einem Sarg auf die Bühne tragen ließ und im Disco-Glitzeranzug den durch ihn geprägten Free Jazz spielte. Nach diesem Schlüsselerlebnis kaufte Geisse für seine Bandmitglieder Spielzeugsaxophone aus Plastik und verwarf den ursprünglichen Plan, klassische Jazzstandards zu spielen. Improvisation und ein experimenteller Zugang wurden in dieser Zeit in seinem musikalischen Verständnis verankert. Das erste professionelle Engagement absolvierte er dann allerdings mit dem „New York Broadway Ensemble“, mit dem er für ca. zwei Jahre durch Europa tourte. Teil eines orchestralen Klangkörpers zu sein, war für ihn dabei die wesentliche Erfahrung.

Die Avantgarde-Combo „Brother Virus“ mit Werner Klausnitzer, Patrick Scales und Maurice de Martin prägte Geisse Ende der 1980er Jahre entscheidend. Sie gastierten in New York (Knitting Factory) und spielten als erste Band im Deutschen Fernsehen live improvisierte Musik zu einer TV-Sendung - „Veranda“ von Dagobert Lindlau. Mit „Brother Virus“ beschritt Gunnar Geisse zum ersten Mal jene musikalisch eigenen Wege, die sich in seiner Entwicklung in den Jahren zuvor schon abzeichneten. Bei Enja erschien 1991 das Album „Happy Hour“.

1992 verlor Geisse bei einem schweren Kletterunfall die beiden mittleren Finger seiner rechten Hand. Während der vielfachen Aufenthalte im Krankenhaus war zunächst nicht klar, ob er seine musikalische Laufbahn würde fortsetzen können. In Auseinandersetzung mit den Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts fand er sein Interesse für Struktur. Er notierte noch im Krankenhaus erste Kompositionen, die mehr der Neuen Musik zuzurechnen sind. Um sie auditiv nachzuvollziehen, spielte er später die einzelnen Spuren – bis zu 200 übereinander - in einem Tonstudio ein. Aus seinem Strukturinteresse heraus arbeitete er mit dem Institut für Experimentelle Physik der Universität Magdeburg auf den Gebieten Komplexitätstheorie, Nichtlineare Phänomene und Simulation zusammen und ließ Strukturmodelle der Natur in seine Musik einfließen. Die Aufnahmen wurden unter dem Titel „AtEM“ veröffentlicht.

Im Rahmen eines Kompositionswettbewerbes wurde Hans Zender als Juror auf diese außergewöhnliche Musik aufmerksam. Gunnar Geisse erhielt ein einjähriges Stipendium der Akademie Schloss Solitude. Dort entstand die Komposition „Das diskrete Jetzt“. Er vertiefte sich in das Phänomen der musikalischen Zeit. Bei der erneuten Suche nach möglichen Strukturvorgaben der Natur erhielt er wichtige Anregungen und Impulse am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zum Thema „Zeit und ihre Wahrnehmung“. Die klassischen Gestaltungsparameter Tempo, Metrum und Rhythmus rückten durch diese Perspektiverweiterung zugunsten einer psychologischen Zeitwahrnehmung in den Hintergrund.

Nach den Arbeiten zu Struktur und Zeit stellte sich für Gunnar Geisse die Frage nach einem elementaren Zugang zur Harmonik. Seit 2003 geht er dem nichtlinearen Phänomen der Kombinationstöne nach, die in der Schnecke des Innenohrs entstehen, ohne physikalisch im Luftraum vorhanden zu sein. Als fehlender Baustein zu den bereits verwendeten Elementen Teiltonreihe und Teiltonmatrix komplettierten die Kombinationstöne sein harmonisches Kompositionsinstrumentarium zu einer eigenständigen Kompositionstechnik. Die Arbeiten sind auf CD unter dem Titel „MEtA“ bei Creative Sources Recordings erschienen. 2006 gab er durch ein theoretisches Skript Einblick in seine spezifische Harmonik.

Paradoxerweise wurden für ihn mit diesen kompositorisch tonalen Präzisierungen auch die geräuschbasierte Improvisation und ihr physisches, expressives Moment immer wichtiger; seine Improvisationsmodelle veränderten sich unter diesen Einflüssen. Ab 2005 wurden verstärkt Elektronik und Laptop Arbeits- und Ausdrucksmittel. Er entwickelte in diesem Kontext eine eigene Hardware/Software-Schaltung (laptop guitar) die es ihm ermöglicht, seine analoge Spielweise auf digitaler Ebene fortzuführen.

 

Gunnar Geisse erhielt mehrere Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Musikförderpreis und das Musikstipendium der Landeshauptstadt München, sowie das Kompositions-Stipendium der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart. Er lebt seit 1985 in München.

 

Zusammenarbeit

Gunnar Geisse spielte mit vielen Musikern aus den drei wesentlichen Bereichen seines musikalischen Schaffens - experimentelle/improvisierte Musik, Neue Musik und zeitgenössischer Jazz:

Antonis Anissegos, Ali N. Askin, Richard Barrett, Marty Cook, Phil Durrant, Vinko Globokar, Barry Guy, Franz Hautzinger, Jason Kahn, Kalle Laar, Thomas Lehn, Michael Lentz, George Lewis, David Moss, Günter Müller, Olga Neuwirth, Phill Niblock, Evan Parker, Antonio Palesano, Adam Pieronczyk, Giancarlo Schiaffini, Ignaz Schick, Ed Schuller, Henning Sieverts, Mike Svoboda, Gary Thomas, Sebi Tramontana, Wu Wei, Xu Fengxia

Gunnar Geisse arbeitete für oder spielte Werke von Hans-Jürgen von Bose, John Cage, Peter Maxwell Davies, Fred Frith, Gérard Grisey, Hans Werner Henze, Tom Johnson, Helmut Lachenmann, Anestis Logothetis, Chico Mello, Josef Anton Riedl, Gioacchino Rossini, Iris ter Schiphorst, Dieter Schnebel, James Tenney, Kurt Weill, Jörg Widmann, Christian Wolff, Fredrik Zeller und Udo Zimmermann.

Er spielte - auch als Solist - unter Stefan Asbury, Paul Daniel, Peter Eötvös, Franck Ollu, Lothar Zagrosek mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR), dem Orchester der Bayerischen Staatsoper, dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, dem Staatsorchester Stuttgart, dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz München und den Münchner Symphonikern.

Geisse war/ist ferner Mitglied der Ensembles Berlin Jazz Composers Ensemble, Brother Virus, Drum For Your Life, Fractal Gumbo, Go Guitars, ICI ensemble, le petit chien, NIE Quartett.

 

Diskographie

• 2008 ICI ENSEMBLE & Olga Neuwirth, NEOS (erscheint im Herbst 2008)

• 2007 Gunnar Geisse "MEtA|At∃M", CS creativesourcesrecords

• 2007 ICI ENSEMBLE & George Lewis, PAO

• 2006 ICI ENSEMBLE "The Wisdom Of Pearls", PAO/BR

• 2005 GO GUITARS & SINGER PUR "Electric Seraphim", K&K Verlagsanstalt Edition Kloster Maulbronn

• 2003 Maurice de Martin BERLIN JAZZ COMPOSERS ENSEMBLE "Transylvaniana", CHAOS Records

• 2002 Marty Cook "Fractal Gumbo", TUTU records

• 2001 Adam Pieroñczyk "Digivooco" feat. Gary Thomas, PAO [5* Fono Forum, "CD des Jahres"]

• 2001 Michael Lentz & GO GUITARS "ENDE GUT. Sprechakte", edition selene/BR

• 2000 Gunnar Geisse "At∃M|MEtA", NYX

• 2000 Drum For Your Life "Glückmann", Samara Tone

• 1999 le petit chien "woof.", enja records [5* Jazz Zeitung, 3½* Rolling Stone]

• 1992 No Distance "different guitars", Outside Records

• 1991 Brother Virus "Happy Hour" (Knitting Factory NYC), TUTU/enja records [3½* Down Beat, 4* Jazzthetik]

• 1987/88 Gunnar Geisse "ballads", MGI records/Intercord (auch als LP)

 

 

 

Geoff Goodman

Gitarre, Mandocello, Mandolin, Komposition

 

geboren am 14.02.1956 in New York City, USA

 

 

 

1968-1974

 

 

Unterricht in Gitarre, Querflöte und Musiktheorie am Westchester Conservatory, New York

 

1974

Highschool Diploma (Abitur) an der Harrison Highschool, New York

 

1974 - 1979

Musikstudium an der Boston University und University of Massachusetts, Amherst (Five College Program).

 

 

Lehrer unter anderen:

Jazz: John Abercombie, Archie Shepp, Vishnu Wood

Ethnomusicalogy / World Music: David Reck

Composition and Theory: Lewis Spratlin, Randall McCellan

 

1970-1978

Auftritte mit verschiedenen Rock-, Folk- und Bluegrass-Bands im New Yorker Raum.

 

1979-1985

Übersiedlung nach Europa und Einstieg in die europäische Jazzszene (Hauptwohnsitz in Freiburg). Entwicklung eigener Jazz- und Fusionprojekte. Darunter das Duoprojekt mit dem Saxofonisten Chris Hirson. Zahlreiche Tourneen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

 

1986-2002

Umzug nach München. Aufbau von Jazz- und World Music- Formationen. Konzerte auf internationalen Festivals, im Radio, im Fernsehen und in den renommierten Jazzclubs Europas. Aufnahme von zahlreichen CDs.

 

1972-1978

Neben dem Musikstudium kontinuierliche Arbeit als Lehrer für Rock und Jazzgitarre

 

1980-1986

Lehrer für Jazzgitarre an der Volkshochschule Freiburg 1985-1986 Lehrer an der Jazz & Rock Schule Freiburg

 

1988-heute

Lehrer für Gitarre, Theorie und Ensembleleitung am Jazzprojekt des Freien Musik Zentrums München. Zahlreiche Workshops und Wochenendkurse zu "Konzepten der Jazzgitarren Begleitung"

 

Charlie Mariano, Mal Waldron, Tony Lakatos, Nicolas Simion, Ed Schuller, Larry Porter, Allan Praskin, Bill Elgart, Marty Cook, Jörn Pfenning, Rudi Mahall, Thomas Zoller, Embryo

 

Leningrad, Istambul, Warschau, Straßburg, Mulhouse (F), Leverkusen, Leipzig, Balve, Jena, Freiburg, München, Ingolstadt u.a.

 

Frankreich, Holland, Polen, Rußland, Türkei, Schweiz, Deutschland