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Michael Hornstein

Komponist, Saxofonist

und Autor. Konzerte und Produktionen 2005 in Deutschland, Kolumbien, Panama, Costa Rica und Guatemala.

Releases 2005: „Westend“, „Authentic Colombia“, „Warm Weather“ mit Blank & Jones.

 

 


Charlie oder Er oder ich

Ausschnitt aus einer Erzählung von Michael Hornstein

 

Er kommt irgendwohin, da spielt eine Band, und er fragt, kann ich mal einsteigen. Und er merkt, wie die Köpfe sich umdrehen. Er spielt Saxofon, und er hat diesen Klang, und er lenkt genau diesen Klang, und dieser Klang ist im ganzen Raum, er ist laut, und er ist dramatisch, und er erzählt eine Geschichte, und er hat die Geschichte und er will genau die Geschichte erzählen, und das Gefühl ist genau so ein Gefühl, wie er es von einer Charlie Parker-Platte kennt, wo er weiß, Charlie Parker war irgendwie irgendwo, kommt zu spät, weil er unterwegs war, um noch was zu holen, endlich hat er es, er steht auf der Bühne, und er hat gerade was geraucht oder irgendwas genommen, er spürt wieder, wie es ihm die Schädeldecke abhebt, und er spielt, und das ist das

 

Einzige, und er verschwindet selber völlig, und er hat nur noch den Klang, und er ist nur noch der Klang, er ist überhaupt nicht mehr er, er ist nur noch der Klang und der Klang,

wie der geführt wird, das ist er, er ist nur noch der, der diesen Klang immer anschiebt in eine ganz bestimmte Richtung, er schiebt ihn auch gar nicht an, er wird hinterher gezogen, und das verselbständigt sich, und sein Körper wird weich und vorher hat er noch genervt, weil er irgendwelchen Entzug hatte, und endlich hat er es bekommen, und er spielt und hebt ab, und alles bekommt wieder diese Geschwindigkeit und dieses Leuchten und ist genauso wie es sein muss, und es gibt überhaupt keine Frage, und er geht einfach raus und macht den

 

Raum voll mit diesem Klang, dem metallenen Klang, das ist laut, und das Licht, und danach schwitzt er, er schwitzt und er merkt, wie ihm der Schweiß runter läuft über das Gesicht und in die Augen rein, weil er spielt, kann er ihn nicht wegmachen, er schwitzt, am ganzen Körper haut es ihm den Schweiß raus, und er spürt diese Schweißschicht, zwischen seinem Körper und seiner Kleidung ist alles nass, überall, und er ist total aufgeregt, und es läuft,

und die Band spielt, und dann ist sein Solo zu Ende, und die Leute sind völlig geflasht, und er raucht eine Zigarette, die Band spielt weiter, er geht kurz an die Bar, trinkt sein erstes Bier, und hat dann dieses kalte Bier in seinem völlig verschwitzten Körper. Dieser Schluck Bier, der erste Schluck Bier danach. Trinkt erst einen Schluck, stellt es kurz ab, zieht an der Zigarette, schmeckt, wie die Zigarette mit dem Bier schmeckt, schmeckt natürlich noch viel besser, dann trinkt er das erste Bier bis auf das letzte Drittel aus.