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präsentiert:

 

 


 

30. JAZZFEST MÜNCHEN 2019

 

 

25.-26. Oktober 20:00, Black Box im Gasteig

 

5.-7. Dezember 20:00, Black Box im Gasteig

 

hier gehts zum Programm

 

 

 


 

Karten gibts hier


 

Liebe Jazzfreunde,

 

"Bilder einer Ausstellung"

 

Das Jazzfest München feiert sein 30jähriges Bestehen - der Verein hat Perlenhochzeit.

Kann man sich beim Hören von Musik etwas vorstellen? Oder soll man im Programmheft nachschauen, was der Komponist dabei gewälzt hat oder ein Kritiker als Assoziations-Sorbet, als gedankliches Desert dazu abgesondert hat? - Durch die Spritztülle seines kraft kulturellen Entzückens zugespitzten Mündchens. Resumées als letzte Gänge, die bei Zugluft in sich Zusammenfallen wie Salzburger Nockerl, wenn die Türen der Kulturpaläste geöffnet werden? Oder hört man sich sicherheitshalber gleich Programmmusik an, die seit der Rechtschreibreform mit hässlichen drei M geschrieben wird und auch sonst immer wieder in Verdacht steht und stand den Mächtigen zu dienen - Hymnen oder Oden an den Sozialismus, oder sonst etwas künstlerisch in unserer heute so hohen demokratischen Reife als unselbständig Erkanntes. Eine Ode an den Kapitalismus? Schwer vorstellbar. Der elektronische Sägezahn-Cluster als Heuschrecken-Metapher? Das wäre dann ja vielleicht die Ode in der dialektischen Spannung zwischen Diode und Anode. Nein, der Kapitalismus bekommt keine Hymne, diese wahnsinnige Freiheit braucht das nicht. Also, soweit relativ klar: Programmmusik, dazu gemacht, vorgefertigt gestanzte Bilder in den Köpfen der Zuhörer als Programm-Stents einzusetzen, das mag niemand. Musikalische By-Pässe, die den Weg zu jedweden gesellschaftlichen Normen kurzschließen, das verträgt sich nicht mit dem Wahnsinn der Freiheit. Vor allem Kritiker verabscheuen das natürlich, weil ihnen ja damit ihre schamanistische Deutungshoheit über die Musik und ihre evozierten Vorstellungen und Bilder genommen werden würden. Trotzdem gab es aber ganz tolle Programmusik, hier ausnahms- und anerkennenswerterweise mit zwei M geschrieben. Jean-Phillipe Rameaus "Le rappel des oiseaux" orientierte sich am Vogelgesang, aber das ist wohl eher Tonmalerei? Und ob Charlie Parker aus ähnlichen Gründen den ehrenvollen Nickname "Bird" bekam oder weil er einfach für sein Leben am liebsten Brathendl verputzte, die Exegeten streiten sich da noch.

Kann man sich beim Hören von Musik etwas vorstellen? Klar ist, man soll es nicht müssen, eigentlich nicht einmal sollen. Aber tut man es? Sicher, man kennt das ja. Zulässig sind allerdings in einer gewissen postkoitalen Tristesse nach dem Verkehr mit der Kunst nur Assoziationen, Bilder aus dem passenden semantischen Feld: Zur Zitrone passt sauer und gelb und nicht Abflussreiniger oder Prothese. Sorbet? Durchaus. Ja, Resumée ist auch noch möglich, denkt man an die säuerlich adstringierende Wirkung des leptosomischen Kritikertypus "Sauerdrops". So wie Kunst nicht übertrieben sein sollte - dies behalten wir dem Wahnsinn der Freiheit vor - so sollten unsere Bilder im Kopf der Würde der Kunst doch angemessen sein. "Es gilt der Kunst", so verwarnte stets Richard Wagner. Bei Ravel perlt es wie in einem Glas Dom Perignon, bei Smetana sind die zwei Querflöten am Anfang bevor das Bächlein Moldau entspringt, zwei Regenwürmer, die aus der Erde spitzen, um kurz danach festzustellen, dass sie nur Kopf und Schwanz von sich selbst sind. So erklärt es jedenfalls Ferenc Fricsay bei einer Probe. Bei Bruckner, einem absoluten Musiker wirds dann schon schwieriger und gewagter: Sich gegeneinander verschiebende Kontinentalplatten vielleicht. Unter Jazzmusikern hörte man schon unwürdige Eselbrücken wie "Fickedietitte" zur Überprüfung von Quintolen. Egal. Sollen doch die einen an Szenen aus Werbekatalogen, Tanzen im Regen, Toupets im Sommerwind und die anderen an Prothesen, Rohrreiniger oder Pommes weiss-rot denken. Es ist eigentlich egal, welche Assoziationen ohne Auftrag durch unsere gute Hirnstube geistern. Wenn uns Musik berührt, dann doch woanders. Es ist kein Bereich, es hat keinen Ort, es ist in uns und manchmal kreist es um uns und verleiht uns kurz einen schönen Schimmer. Von irgendwo steigt es auf und treibt einen Kloß unseren Hals hinauf, lässt die Nase laufen und unsere Augen glänzen: die Seele! Ihre Utopie.

Und damit wären wir an einem Punkt, wo wir trotzig und voller Freude so etwas wie ein Programm ausrufen. "Bilder einer Ausstellung", eine immerhin als gelungen anerkannte Programmmusik von Mussorgski in Bearbeitungen von Ravel bis Emerson Lake and Palmer, soll als Anreiz für die Gruppen dienen, die Ende Oktober und im Dezember an fünf Tagen in der Black Box furchtlos den Klischees der Kunst-Assoziationen entweder entgegen treten oder sie gleich umgehen, um unsere Seele zu berühren. Diese schimmernde Goldwolke in und um uns, die keiner Bilder bedarf, um uns zu verwandeln.

 

 

wir sehen uns!

Andy Lutter

J.I.M. Jazzmusiker Initiative München e.V.





 

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferates der Landeshauptstadt München

und mit Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

www.gasteig.de