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Klaus Kreuzeder

Sopran-Saxofonist aus München,

geb. 1950, seit über 30 Jahren Profi, zuständig für Soul, Rhythm & Blues, Rock und Jazz. Ehemaliger JIM-Vorsitzer und wirksames Mitglied beim Deutschen Rockmusikerverband.


JIMpaper - Nachruf


Lieber Albert Mangelsdorff

Dein Abschied von den musikalischen Bühnen dieser Welt hat eine Lücke hinterlassen, die nicht zu schließen ist. Das ist traurig, aber auch gut. Denn wir wollen dich als Unersetzlichen in unserer Erinnerung behalten. Und weil ich das so sehe, möchte ich dir aus nun so weiter Ferne ein paar Gedanken hinterher schicken darüber, wie ich dich persönlich als Mensch und Musiker erlebt habe.

Für mich warst und bist du der „primus inter pares“. Du hast dem Jazz in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands das Laufen beigebracht und außerdem die Entwicklung der Jazzposaune weltweit maßgeblich mitgeprägt, hast sogar in den USA, dem „Mutterland des Jazz“, für Furore gesorgt - als bisher einziger deutscher Jazzmusiker.

Deine sympathische Ausstrahlung, deine humorvolle Bescheidenheit, deine absolut integre Persönlichkeit, die totale Hingabe und Leidenschaft für dein Instrument sind Vorbild für jeden Musiker, der nicht nur darauf aus ist, das große Geld zu verdienen, sondern Musikmachen als eine Herausforderung sieht, die Welt durch Töne zu bereichern.

 

Nie werde ich vergessen, wie ich 1972 im kulturellen Rahmenprogramm der Olympischen Spiele in München (so was gab es damals noch!) ein Konzert im Deutschen Museum besuchte, in dem nur Solisten auftraten wie Jean Luc Ponty an der Geige, Gary Burton am Vibraphon und gleich zu Beginn du an der Posaune. Ich war damals noch blutiger Amateur am Sopran-Saxophon und konnte mir einfach nicht vorstellen, wie du als Posaunist mit einem „monophonen“ Blasinstrument, alleine deinen Auftritt gestalten wirst.

Nur ein Barhocker und ein Mikrophon auf der Bühne. Du nimmst Platz auf dem Hocker.

Ein kurzer Blick, ob wir auch alle da sind. Und dann schließt du die Augen. Die berüchtigte Stecknadel fällt gottseidank nicht. Du wiegst dich mit deinem Oberkörper minutenlang in deinen Groove, wiegst uns mit, bis wir ihn alle in uns haben, diesen Groove, und beginnst das Konzert mit deinen „Multiphonics“ *, einer Dimension auf der Posaune, die es vorher

nie zu hören gab. - Sicherlich eines der beeindruckendsten Erlebnisse meiner jungen Jahre als Musiker.

Ein paar Jahre später, im persönlichen Gespräch zwischen unseren jeweiligen Auftritten bei einem Jazzfestival, fiel ein Satz von dir, der von da an für mich als Maxime galt und heute noch gilt, ein Satz, der es mir vielleicht erst ermöglichte, selbst „Karriere“ zu machen:

„Klaus, spiel dich selbst“.

In diesem Sinn hoffe ich dir dereinst wieder zu begegnen. Ich vermisse dich, Albert.

In aufrichtiger Bewunderung!

Dein Klaus Kreuzeder

 

 

* Für den geneigten Leser, der sich fragt, was das ist: Multiphonics?

Zum gespielten Ton singt der Bläser einen weiteren Ton, wodurch Obertöne entstehen, die so stark hörbar sind, dass Akkorde entstehen. Eine von Albert Mangelsdorff entdeckte Technik, die besonders geeignet ist für Blasinstrumente

mit langem Luftweg.