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LUIS BORDA

Roman Bunka

Als ich Luis Borda das erstemal traf, kannte ich den Tango Nuevo und die Musik Argentiniens kaum. Natürlich, da war Mauricio Kagel, Dino Saluzzi, Gato Barbieri und der große Piazolla, dessen Musik mir der legendäre italienische Alt-Saxophonist Massimo Urbani auf einer Tournee näher brachte.Für mich war das Bandoneon die Stimme des Tango, und ich war überrascht, als Luis mir die Gitarrenwelt Argentiniens öffnete. Ich selbst war immer auf der Suche nach Gitarristen, die sich für meine Musik auf der

arabischen Laute "Oud" interessieren würden. Meistens waren es Musiker aus der Flamenco-Szene an die ich dabei dachte und die mich inspirierten.Das war natürlich auch Andalusien, "al-Andalus", das arabische Erbe Europas, die Städte Cordoba, in der der legendäre Zyriab im 8.Jahrhundert die arabische Oud lehrte, und Almeria, in der Torres ein paar Jahrhunderte später die erste moderne Gitarre baute. Beide Städte sind nur ein paar Autostunden voneinander entfernt.Die Oud wurde durch das Anbringen von Bünden zur Laute, dann zur Gitarre, wanderte aus und verbreitete sich schließlich über die ganze

Welt. Die Araber und ihre Oud wurden aus Spanien vertrieben und bis in das letzte Jahrhundert hinein erst einmal in Europa vergessen.Neben dem Flamenco waren es natürlich die brasilianischen Gitarristen,

an die ich bei einer Fusion dachte und den Klang ihrer klassischen Gitarren hatte ich immer im Ohr.

Dann kam Luis, brachte seine argentinische Schule und seinen individuellen Stil als Musiker und Komponist, und schon öffneten sich neue Klangwelten im Zusammenspiel. Seine harmonische Rafinesse und Radikalität ist ein Gegengewicht zur modalen und rhythmischen Spielweise auf der Oud. Beide Instrumente verbindet die alte Mittelmeer-Kultur, so wie Alexandria und die Häfen Andalusiens. Die ersten arabisch gefärbten Tango-Melodien waren ein kleines Ereignis und wir begannen für diese Instrumentierung zu komponieren.In Jost Hecker fanden wir den idealen dritten Mann, der uns mit seinem

Cello sehr vielfarbig verbinden kann und einige Erfahrung mit dem Tango und der Musik der Welt mitbrachte.Gemeinsam ist uns unsere Liebe zum Jazz, zur Improvisation und zum Experiment.

Man kann nicht erwarten in kürzester Zeit die komplexen Viertelton-Systeme der arabischen Musik und die rhythmische und harmonische Rafinesse des Tango Nuevo mit Elementen des Jazz und der

neuen Musik zu einem perfekten Ganzen zu backen. Die sogenannte Weltmusik, schon als Begriff vermarktet und verpackt, ist ja in Wirklichkeit gerade geboren worden. Es wird Generationen dauern bis

gewisse Ideen realisiert werden können, und das ist ja auch das schöne und spannende daran.

Wir gehen da nur erste Schritte und schaffen uns auf dieser CD wieder einmal eine musikalische Orientierung, eine "Orientacion"!

 

Luis Borda

Die Verbindung zwischen orientalischer Musik, Improvisation und dem Tango Argentino ist ein kühner Versuch, den es bisher so nicht gab, und genau das macht die Attraktion von „Orientación“ aus.

Genau wie in der Wirklichkeit, in der sich die Kulturen mischen und sich dadurch der Horizont erweitert, so erwärmt sich hier der Tango durch die mediterrane Sonne, und die sternklare Nacht über dem Viertel San Telmo in Buenos Aires verbindet sich mit den Sternen über der Sahara.

 

Der Tango, der durch das deutsche Bandoneon seine wichtigste Klangfarbe erhielt, durch die italienische Oper seine Dramatik erbte und durch den „schwarzen“ Rhythmus seinen Herzschlag bekam, lässt sich mit den Klängen der arabischen Oud, der Gitarre und dem Cello erneut auf eine Reise ein.

 

Wie ein Reisender, der auf der Suche nach einem neuen Schicksal sich auf eine neue Kultur einlässt, und durch sie in Staunen versetzt wird, wollen auch wir uns orientieren und verführen lassen.

 

Mein Dank gilt vor allem Roman und Jost für dieses Treffen der Kulturen und die Möglichkeit, die sich mir, die sich uns damit eröffnet, uns zu neuen Horizonten zu „orientieren“.

 

Das, was man normalerweise unter „Tango“ versteht, ist in Wirklichkeit ein großes Mosaik sowohl in Bezug auf den Rhythmus als auch auf seinen Ausdruck und den Grad der Komplexität und wie so oft finden sich auch seine Ursprünge in diversen Teilen unseres Planeten.

Die „schwarze“ Herkunft des Tango und der Milonga wird seltsamerweise häufig verborgen. Vielleicht aufgrund der Texte, die doch eher an das Drama der italienischen Oper erinnern, die mit den Immigranten Ende des 19. Jahrhunderts nach Buenos Aires schwappte.

Aber das, was wirklich den Tango und die Milonga bestimmt, das ist der Rhythmus und der ist afrikanischen Ursprungs.

 

Es ist komisch, doch der nahezu berühmteste „argentinische“ Tango, „La Cumparsita“, kommt aus Uruguay, dessen Bewohner in Argentinien übrigens auch „Orientalen“ genannt werden. „La Cumparsita“ wurde von Gerardo Matos Rodriguez 1917 komponiert. Es gibt von ihr unzählige Versionen und Arrangements in der ganzen Welt.

 

„Milonga de Alejandría“ entstand, wie sollte es anders sein, in Alexandria in Ägypten im Oktober 2002, als ich mit meiner Schwester, der Sängerin Lidia Borda, anlässlich der Wiedereröffnung der Bibliothek von Alexandria ein Konzert gab. Dort, in den Straßen voller Musik, entstand das Motiv dieser Milonga, das durch den „Milongón“ Rhythmus, der auch in „Retrato de Anselmo Lira“ – dort jedoch langsamer und schwerer – den Charakter bestimmt. Diese beiden Stücke bilden die kleine Auswahl an „Afro“ Stücken auf dieser CD.

 

Als wir die Aufnahme unserer CD schon fast abgeschlossen hatten, dachte ich, dass die orientalischen Momente noch einen Ausgleich bräuchten und noch etwas fehlte. Daher beschloss ich diese Version von „La Cachila“ des Komponisten, Gitarristen und Bandoneonisten Eduardo Arolas (1892 – 1924) aufzunehmen. Der „Tiger des Bandoneón“, wie er genannt wurde, ist einer der exponiertesten Vertreter von Romantizismus und Modernismus im Tango.

“Estampa del Norte” ist kein Tango. Dieses Stück ist von einem Folklore Rhythmus, dem „Huaino“, inspiriert. Man kann diesen im ganzen Gebiet der Inka Kultur hören, also vom Norden Argentiniens bis nach Ecuador.

 

Luis Borda guitar

Roman Bunka oud

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