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Das Jazzfest München wurde volljährig


 

von Godehard Lutz für die Jazzzeitung

 

Das Jazzfest der Jazzmusiker-Iniative München wurde 2007 volljährig. Die 18. Ausgabe präsentierte sich im November im gemütlichen Theaterzelt „Das Schloss“ frisch und lebendig.

Wieder erwies sich der „Label Day“, an dem sich Enja Records mit drei Unterlabels und drei Bands präsentierten, als Publikumsmagnet und willkommene Ausweitung des ansonsten lokalen Rahmens. Das deutsch-amerikanisch-israelische Trio Minsarah (CD ENJ-9492-2) sorgte gleich für einen intensiven Auftakt voller Spannung und Dynamik. Sängerin und Pianistin Susi Hyldgaard (CD „Magic Words 9181) verarbeitete im Trio mit lockerer Souveränität und Selbstironie sehr persönliche Erlebnisse und lieferte ebenso persönliche Interpretationen von Standards und Popsongs. Zwiespältig war der Eindruck, den ein Musiker hinterließ, der nur den Sound seiner Band mixte: Umberto Echo. Was sich da live abspielte, war brachial eintöniger (Reggae-) Groove, über dem allerdings Posaunist Josh Roseman zu solistischen Höhenflügen ansetzte. In anderer Besetzung hört sich die Konserve „Dubtrain“ (enja 19 NIN 1905-2) wesentlich lebendiger an.

Das Rosebud Trio Till Martin (ts), Johannes Herrlich (tb), Geoff Goodman (g, Banjo) verbeugte sich mit Einfühlungsvermögen und zugleich großer Eigenständigkeit vor der oft archaischen Folk Music des New Port Festival von 1965 und ließ daraus beindruckende Jazzstücke entstehen. Sängerin Beate Sampson als Gast ergänzte mit ihrer gefühlvollen Interpretation wunderbar die bestens harmonisierenden Instrumentalisten. Sebastian Gamperts Contrast 7ett stellte die CD „Soup en Jazz“ (bibliophile Eigenproduktion mit Rezeptbüchlein) vor: ein phantasievolles, originelles und abwechslungsreiches Menü aus vertonten Suppen, das wohl bekam und Appetit machte auf die angekündigte vertonte Weinkarte. Das Chris Gall Trio bereitete mit der faszinierend gesungenen Lyrik von Enik und der ebenso originellen Musik des Pianisten eine kräftige Mischung aus Jazz und Popgesang zu. Auf die CD, die im Februar bei ACT Young Music erscheinen wird, sollte man achten. Eine besondere Rarität bot die eigens zusammengestellte, hervorragend besetzte Mal Waldron Memorial Bigband Norbert R. Stammbergers mit der Darbietung von Waldrons Shingen Takeda Suite.

„Jung & frisch“ hieß wieder das Motto, unter dem sich allabendlich der Nachwuchs vom Richard-Strauß-Konservatorium vorstellen konnte: Die Bigband des RSK spielte auf beachtlichem Niveau mit Präzision und solistischem Können, Geschlossenheit und stimmigem Sound ein vielseitiges Abschiedskonzert für Kurt Maas, den langjährigen Leiter von Band und Jazzabteilung. Sicher wird man einigen dieser jungen Spieler wieder begegnen. Thomas Zoller, ein anderer engagierter Jazzlehrer, holte sich zwei seiner jungen Studenten in seine neue Zollsound Vier. Vor allem der Saxophonist Ferdinand Settele bestand und bestach neben dem Altmeister am Baritonsax.

Und schließlich feierte ein anderer alter Hase, Mitbegründer des Jazzfestes, mit einem wunderbar entspannten, von Spielfreude überschäumenden Auftritt in seinen Geburtstag: Wolfgang Schmid gab sich, seinen Mitspielern (darunter neu Luluk Purwantu an der Geige, Steffen Dix am Saxophon, Matteo Scrimali am Schlagzeug) und dem Publikum den entscheidenden groovenden „Kick“, wie man ihn selbst von ihm selten bekommt: So jung und frisch war vieles andere nicht auf diesem meist gelungenen Fest.