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www.titus-waldenfels.de

Titus Waldenfels

Musiker an diversen Saiteninstrumenten, Bandleader, Sideman und Organisator in eigener Sache.

 

www.unkraut-rekords.de

 


Neues aus dem Untergrund: UNKRAUT REKORDS

Wie wir dem Computer Tonträger entlocken und dennoch keine Raubkopierer sind.

 

Was hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten in den Bereichen Musikaufführung und Musikreproduktion geändert? Livemusik als Funktionsmusik zum Tanzen hat weitgehend ausgedient seit Durchbruch und Siegeszug der Diskothek. Jazz und Rock sind im gesellschaftlichen Mainstream angekommen und omnipräsent, nicht mehr Gegenkultur und Besonderes. Also: Livemusik als ,Arbeit’ gibt es nur noch in speziellen Bereichen z.B. im Musical, wenn nicht auch dort nur noch das Midifile den Webber macht. Livemusikveranstaltungen aus den Bereichen Jazz und Rock taugen als solche nicht mehr zum Event, allenfalls können die Ausführenden selber ein Event sein, oder Festivals und Clubs ihre eigene mitreißende Ausstrahlung kreieren.

 

Aber: es gibt die Nischen. Meine Perspektive als professioneller Musiker reicht ca.15 Jahre, meine persönliche Erinnerung an Livemusikveranstaltungen ca. 30 Jahre zurück. Danach zu urteilen scheint mir die Vielfalt an Stilrichtungen, die friedlich nebeneinander existieren und an Veranstaltungsformen, wo das Verschiedene zeitgleich stattfindet, groß wie nie zuvor. Oder gibt es das noch: den verbitterten Hass auf Disco (heute vielleicht Techno), die Schmähung, Rockmusiker könnten nicht spielen, Jazzmusiker seien kopfig und ähnliche Grütze? Andererseits gibt es aber auch das nicht mehr: das Straßenfest, wo jeder hin muss, das Lokal, wo sich alles trifft.

 

Aus musikalischen Vorlieben und in realistischer Einschätzung meiner organisatorischen Möglichkeiten habe ich mich von Anfang an auf das Musizieren in kleinen Besetzungen konzentriert: mit minimalem technischen Aufwand, wenig Komfort bei Transport und Reise und in wechselnden Besetzungen. Für mich ist die Rechnung aufgegangen. Ich habe genügend Arbeit, sprich Gigs (in Folge der kleinen Auftritte auch in größeren Besetzungen in größerem Rahmen) und: die technische Entwicklung macht es möglich. Wo noch vor 30 Jahren eine ,Gesangsanlage’ den Preis eines Kleinwagens und den Platzverbrauch einer Schrankwand hatte, kann ich heute mit einem ,Brüllwürfel’ im Gepäck und einer Fahrkarte für den Regionalexpress zur Arbeit gehen.

 

Aber wie ist das mit der Unsterblichkeit, also mit der Tonträger-Produktion? Wie fast jeder andere in einer vergleichbaren Situation habe ich vor einigen Jahren voller Begeisterung eine CD von meiner damaligen Besetzung produziert. Wir haben zunächst 500 Exemplare pressen lassen, später noch einmal 600, haben tatsächlich alle verkauft (abzüglich der zahllosen Werbegeschenke). Das war’s aber dann. Neue Besetzung, neue CD , das gleiche Spiel.

Mit anderen Worten: jede schöne Produktion, auf die wir auch nach Jahren bei allen Unzulänglichkeiten noch stolz sein können und wollen, die wir gerne nach wie vor bei Konzerten anbieten würden, landet in den ewigen Jagdgründen der Tonträger, weil eine Nachpressung zeitgleich mit einer neuen Produktion zu teuer wäre und nicht lohnt.

Gleichzeitig ist es auf Grund der heutigen technischen Möglichkeiten leicht wie nie zuvor, Aufnahmen oder Mitschnitte zu machen, also potentielle Tonträger zu produzieren und somit von jeder aktuellen Besetzung eine CD zur Verfügung zu haben (denn nur die wird als ‚Souvenir vom schönen Abend’ gekauft).

 

Wie nun also seine gesammelten Werke zur Verfügung haben und stellen, gleichzeitig Kosten sparen, die Rechte wahren (GEMA), und der Sache ein verkäufliches Gesicht geben?

Unsere Lösung heißt – und jetzt kommt der Werbetext von unserer Website: UNKRAUT REKORDS ist eine gemeinsame Unternehmung von Titus Waldenfels und Michael Reiserer. Wir wollen damit unsere Musik, sprich den Stapel von Aufnahmen und Mitschnitten, der sich bei uns in den letzten Jahren angesammelt hat sowie neue Aufnahmen und Mitschnitte, die kontinuierlich zustande kommen, dem interessierten Hörer zugänglich machen. Das Programm umfasst die ganze Palette von technisch perfekten Studioproduktionen bis zu Feldaufnahmen mit der ihnen eigenen Atmosphäre. Als Medium haben wir uns für die gebrannte CD entschieden,

1. weil wir auf diese Weise Kleinstauflagen manufakturieren können, die auf andere Weise kaum zu finanzieren wären

2. weil sich die Technik des digitalen Druckens und Bedruckens von Papier und Compact Discs in rasantem Tempo entwickelt, verbessert und preisgünstiger wird und wir somit dem Tonträger mit der Arbeit unserer eigenen Hände ein ansprechendes Äußeres verleihen können

3. weil die GEMA die Möglichkeit anbietet, auch für am heimischen Computer hergestellte Medien Lizenzvergütungen zu leisten, also Komponisten für Ihre Autorschaft zu entlohnen – sofern sie dazu überhaupt in der Lage ist (www.gema.de).

 

Wir verwenden eigens nach unserem Design bedruckte Rohlinge, die an Haltbarkeit Compact Discs aus dem Presswerk in nichts nachstehen sollten. Um dennoch Schädigungen vorzubeugen, empfehlen wir, was sogar Madonna oder die Beatles erlauben: eine Sicherheitskopie für Privatzwecke zu machen. Wir verpacken die CD in Slimcases mit einfachem Inlay, in Ästhetik und Aufwand angelehnt an die im Verschwinden begriffene Postkarte. Wir verlangen gar nicht so viel Kohle für das alles, als Endpreis zwischen 7 und 9 Euro für eine Menge Musik, die es anderswo nicht gibt.

 

Ich muss sagen, ich stehe schon sehr auf die heutige Zeit. Mein Computer ist weltweites Telefonbuch, Postamt, Postnetz, Konzertankündigungsmedium, Aufnahmestudio und jetzt auch noch das blitzsaubere Gegenstück zur Vinylplattenpresse im Hinterhofschuppen.