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Jazzfest 2019
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WIENERT/WEGELE Info

Der Klang der Oboe ist vor allem durch die Barockmusik im kollektiven Unbewußten der Musikhörer präsent, der des tieferen Englischhorns eher aus sinfonischen Solopassagen der Spätromantik. Fast immer sind die Doppelrohrblattinstrumente Träger lyrischer Stimmungen; oft wecken sie durch ihre Verwandtschaft zum Hirteninstrument Schalmei pastorale Assoziationen.

 

Seit Bob Cooper und Lester Young in den 50er Jahren haben viele Musiker mit mehr oder weniger Erfolg versucht, der Oboe und dem Englischhorn jazzmäßige Wirkungen abzuringen. Richtig heimisch wurden sie im Jazz nie. Annedore Wienert spielt sie so, wie sie Musikfreunde aus der klassischen Musik kennen und lieben, mit der dazugehörigen traditionellen Artikulationskultur, doch - das ist die Novität - sie tut dies in einem Jazzkontext. Mit einem direkt in das Herz des Songs und des Hörers treffenden Klangsinn geht sie ans Werk, offenbart Finesse und Feeling, ohne je der Versuchung zu erliegen, wirklich Jazz spielen zu wollen. Sie vermag den betörenden Klang ihrer Instrumente mit solch einer Innigkeit zu entfalten, dass man es nicht vermisst, dass sie keinen einzigen Chorus improvisiert. Sie lässt Pretiosen aus dem Great American Song Book und Originals aus der Feder Peter Wegeles in ihrer natürlichen Wirkkraft bestehen.

Improvisation überlässt sie „Doc“ Wegele, der weit mehr ist als nur ein kultivierter, sensibler Begleiter an den schwarzen und weißen Tasten. Vielmehr, wie schon Sheila Jordan vor Jahren sagte, „a wonderful pianist“. Inzwischen ist er auch zu einem Komponisten herangereift, dessen Songs sich neben jenen aus der Feder von Songwritern wie George Gershwin, Johnny Mandel oder seiner pianistischen Kollegen Jimmy Rowles und Mal Waldron nicht zu verstecken brauchen. (Es ist kein Zufall, dass Gershwin, dieser zwischen Spätromantik, Impressionismus und Jazz vermittelnde Genius für den Löwenanteil des Repertoires verantwortlich zeichnet.) Wegele ist ein Vollblutjazzer, doch er musiziert so, dass man sich wundert, dass je Grenzen zwischen jazzigen und klassischen Tastenspielen gezogen wurden. Er präsentiert seine Werke und seine Neudeutungen ehrwürdiger Songs nicht als auftrumpfender Tastenlöwe, sondern zelebriert sie mit zartem Gespür für Zwischentöne und liebenswürdigen Feinsinn. Der mit den Stücken vertraute Hörer horchet auf: Hier eine geschmackssichere Reharmonisierung oder ein unerwarteter Rhythmus, da verblüffende voicings, dort ein ausgeklügeltes Arrangement. Und, Wunder der Verwandlung, plötzlich klingt ein altvertrauter Jazzstandard streckenweise so, als sei es einmal ein Einfall von Debussy oder Poulenc gewesen. Entstanden ist ein an poetischen Stimmungen reiches Album, dessen Programm man live erleben möchte. Mögen sich die beiden auf Dauer zusammentun!

 

Marcus A. Woelfle, Bayerischer Rundfunk

 

Annedore Wienert Oboe, Englischhorn

Annedore Wienert studierte Oboe an der Hochschule für Musik Leipzig. Ihr Diplom als Orchestermusikerin machte sie an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Burkhard Glätzner. Weiterführender Unterricht bei Gregor Witt und Meisterkurse bei Maurice Bourgue, Ingo Goritzki, Günther Passin und Jochen Müller-Brincken, für Englischhorn bei Juergen Hollerbuhl sowie eine Zusatzausbildung an der Barockoboe bei Wolfgang Kube vervollständigten ihre musikalische Ausbildung. Während des Studiums spielte sie im RIAS-Jugendorchester und im Staatsorchester Frankfurt/Oder.

1993 nahm sie erfolgreich am Semifinale des I. Internationalen Oboenwettbewerbs Großbritanniens teil. Weitere Konzertreisen und Soloauftritte führten sie unter anderem nach Leipzig, Dresden, Hannover, Gladbeck, Wien sowie zu den Athener und zu den Salzburger Festspielen. Konzertreisen mit dem Ensemble „Michael Praetorius“ führten sie unter anderem zum Jugendfestival im belgischen Neerpelt, ins israelische Haifa und zum Early Music Festival in Boston. Das Spannungsfeld der künstlerischen Arbeit dieser Gruppe, zwischen historischer Aufführungspraxis mit originalen Instrumenten und moderner Gegenwartsmusik, haben ihren musikalischen Werdegang stark geprägt. Auch heute noch ist es ihr ein Anliegen, mit verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen alte Musik durch neue Klänge in die heutige Zeit zu transferieren. Als Oboistin und Englischhornistin wirkt sie regelmäßig im Rahmen von Konzerten, Opernproduktionen, CD-, Rundfunk- und Filmaufnahmen in verschieden Orchestern, wie dem Berliner Kammerorchester, dem Deutschen Kammerorchester, der Berliner Kammeroper, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, den Berliner Symphonikern und dem Rundfunkblasorchester Leipzig, mit. Durch die Zusammenarbeit mit dem Jazz-Pianisten Peter Wegele ergab sich die Chance, den sonoren Klang ihres Englischhorns mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz zu einem neuen Sound zu verbinden.

 

Peter Wegele Klavier, Komposition, Arrangements

Der Jazzpianist und Arrangeur Peter Wegele studierte an der Grazer Musikhochschule und nahm dort an Seminaren von Ray Brown, Joe Pass, Wynton Marsalis, Bob Brookmeyer, Chuck Israels, Barry Harris, Clark Terry, Bill Dobbins und anderen teil. Konzerte führten ihn neben Gastspielen in ganz Deutschland in die USA (New York), Großbritannien (Leeds International Festival of Music), sowie nach Slowenien, Serbien, Ungarn, Slowakei, Österreich, Schweiz. Er arbeitete mit Musikern wie Mark Murphy, Lee Harper, Omar Belmonte, Edir dos Santos, Philipp Weiss, Nizza Thobi, Luisa Celentano, Raquelle Chavis, sowie Grupo Veneno do Brasil, Thomas Bendzko Bigband, Jazztett Forum Graz und vielen anderen zusammen. Neben etlichen hundert Konzerten, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen war Peter Wegele Pianist und Arrangeur für CD-Aufnahmen von u.a. Philipp Weiss (Bennett Studios New York), Nizza Thobi (Jerusalem/München), Thomas Bendzko Bigband, Dox Octet (Jazz), The Funny Valentines (Vocal Jazz Quartett), Posterity (Jazz), Darja Svajger (Chanson). Hans-Albers-Revue mit dem Schauspieler Tommi Piper,, Chansonprogramm mit Loretta Stern, beides zusammen mit den BEGLEITERN. Komponist für den preisgekrönten Film „The Secret Behind“ sowie erster Preis beim Benelux Song Award für den Jazztitel „Taxi“, zusammen mit Philipp Weiss. Im Juni 2007 CD Aufnahmen mit Annedore Wienert in den RTS Studios in Maribor/Slowenien.