J.I.M.
Jazzfest 2018
JIMpaper
Ausgabe 2009
Ausgabe 2006
Ausgabe 2005
Ausgabe 2004
Ausgabe 2003
Ausgabe 2002
Kontakt
Impressum
Datenschutz
editorialMerboldLauPfennigWüstWaldenfelsMayScheffner


www.whitebox-ev.de
Michael Wüst

Seit März Kurator der whiteBOX / Kultfabrik. Dort auch Co-Autor von „Dada ist Rave“ (Juni-Juli 06). Saxophon seit Mai bei Geoff Goodman, FMZ. Traditionsbewusst. Apfelsaft weniger. Schon der Grossvater war ein Trinker vor oder hinter dem Herrn, egal.

Der Abfall fällt nicht weit vom Stamm.

www.whitebox-ev.de / www.kultfabrik.de


ACHTUNG WÜST!

Unser dauernder (nicht: uns dauernder!), alles überdauernder Autor Michael Wüst

hat auch diesmal wieder zugeschlagen. Auf unseren Befehl übrigens. Nachdem er in seinem letzten Beitrag nordicwalkende Walküren fast mit nassen Boxhandschuhen erschlagen hätte, erweitert sich sein Spektrum im folgenden Text bis hin zu Martin Heidegger und Jeanette Biedermann. Jawohl.

Wer uns glaubwürdig nachweisen kann, dass er Michael Wüsts nun nicht mehr länger aufzuhaltenden Erguss bis in die feinste Nuance seines Flusses folgen konnte, der bekommt ein Freibier zugesprochen – eine Maßnahme, die allerdings noch mit unserer Schatzmeisterin abzusprechen ist.

 

 

 

 

 


Patho-Logo!

„Die Welt zu Gast bei Freunden“, während der Meisterschaft der Welt, das war wieder so ein Ding, mein Lieber. Das dreht dem Denkkranken das Hirn, projiziert es kurz außerhalb 3D, um es friedlich japsend und schmatzend, eindimensional gechipt im Spam-Ordner heutiger Kultur wieder abzulegen. Giga-Fifa-Gipfelschwachsinn.

Wer sind da jetzt die Freunde? Selbst King Kong, Shrek, R2D2 und Johannes B. Kerner sind noch innerhalb. Teil der Welt!? Globroleten? Ein neues Krankheitsbild zeichnet …sich?...ab?

 

An den Rändern der Prachtstrasse „Welt-Lallie“ mehren sich die Aussätzigen. Denklumpen, Stilsadisten, Grammatik-Geißler, Zeichen der Degeneration, Kataklysmos, Endspiel. Einige Kommunen bieten bereits Ausstiegsmöglichkeiten für Denkabhängige. Sprachmenschen treffen sich mittlerweile in Zirkeln. Betreut werden sie von einem Medienprofi der Bundesagentur für Arbeit. Unsrer sieht so aus wie eine Mischung aus Hans Meiser und unserem Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Der sagte vor kurzem, man könne sich die Welt nicht aussuchen, in der man Außenpolitik macht.

 

Schon wieder stellt sich dieses widerliche Gefühl ein: Looping-de-Loop mit einem Maßkrug im Kopf. Man sieht sich gelblich lächelnd im Käfig des beliebten Fahrgeschäfts stehen. Im Abschwung dann diese Zehntelsekunde Schwerelosigkeit und man möchte druckerschwarz durchs Gitter kotzen. Also ab zu den Anonymen Logoholikern! Voraussetzung ist das Bekenntnis zu Beginn. Beine übereinander schlagen, Kopf seitlich nach links, ein bisschen weise-wehmütig: „Ich bin ein Logoholiker.“ Wer bei den anonymen Denkern aufgenommen werden will, muss zunächst bekennen, sich bloßstellen. Manche formulieren ja am Ende ihrer Sucht bis zu 30mal am Tag gemäß den Richtlinien eines Logos jenseits des Verfalldatums, kontaminiert zu sein mit syntaktischem Risikomaterial.

 

Frank E. hatte das letzte Jahr zur stärksten Droge gegriffen: 2 bis 3 Seiten Heidegger am Tag! Am Ende konnte er nichts mehr bei sich behalten. Er erbrach Vera am Mittag, schied unverdaut die Boulevardpresse als Spritzwurf aus, kotzte RTL mit schwärzlichen Gerinnseln, übergab sich Sabine Christiansen. Nach einigen Wochen am NTV-Tropf war er wieder einigermaßen hergestellt und ging zu den Anonymen Logoholikern. Heute geht es ihm besser, die Piercing-Allergie ist schon etwas zurückgegangen und er hat sich eine Karte für die Papstparty im September gesichert. „Wir gucken Papst“, powered by Red Bull.

 

Mir geht es jetzt auch besser. Ich bin vor allem musikalisch total stabil! Für mich das Tollste an der Therapie – abgesehen von meinem Trainer, der aussieht aus wie eine Mischung aus Mr. Bean und Joschka Fischer – ist meine mittlerweile abartige Offenheit, diese wahnsinnige Toleranz. Bushido geht bei mir genauso rein wie Jeanette Biedermann. Ich vertrag´s einfach! Ich hab total grüne Werte. Grün wie Entengrütze, sagt Mr. Bean, der mit den Ehrendoktor-Troddeln am Kopf. Und deswegen, weil ich jetzt total immun bin, geh ich zum krankesten Act of the Town: Jazzfest München – absolut endgeil, einfach pathologo!