
…groove zone
Miko Watanabe (drums, percussion) Sascha Lüer (ebass, horns, loops) Alexis Boettcher (keys, mpc 1000) Tilman Brandl (guitar, efx)
Full Bloom befindet sich mitten in der Arbeit am zweiten Album. Für die grundlegenden Aufnahmen reiste das Münchner Quartett 2026 gemeinsam nach Ibiza, wo in intensiven Studiosessions eine große Menge an Material entstand: Grooves, Melodien, improvisierte Passagen und zahlreiche Takes, aus denen die neue Musik erst nach und nach ihre endgültige Form entwickelt.
Denn die Reise ins Studio war nicht der Abschluss des Kompositionsprozesses – sie war dessen Ausgangspunkt. Aus dem aufgenommenen Material entsteht das Album nun während der Produktion. Takes werden gesichtet und kombiniert, Grooves und Melodien weiterentwickelt, Strukturen kristallisieren sich heraus und Overdubs kommen hinzu. Die Produktion selbst wird damit zum Teil des Kompositionsprozesses. Gleichzeitig trägt die Band diesen Prozess zurück auf die Bühne. Viele der neuen Ideen werden bereits live vor Publikum ausprobiert. Grooves, Melodien und Strukturen können sich im Konzert verändern, weiterentwickeln oder wieder verworfen werden. Was im Studio aus einer Session hervorgegangen ist, trifft live erneut auf die Spontaneität der vier Musiker – und auf die unmittelbare Reaktion des Publikums.
So entsteht ein Kreislauf zwischen Studio, Produktion und Bühne: Eine Idee aus einer Session wird zum Stück, das Stück verändert sich live und kann anschließend wieder in die Produktion zurückfließen. Welche der zahlreichen Aufnahmen schließlich auf dem Album landen und welche Gestalt die einzelnen Stücke annehmen werden, ist Teil eines Prozesses, der bewusst noch nicht abgeschlossen ist. Das zweite Album von Full Bloom ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Diese Arbeitsweise entspricht dem musikalischen Selbstverständnis einer Band, die sich von Anfang an dort bewegt, wo die Grenzen zwischen Jazzband und elektronischer Musik unscharf werden. Analoge Keys und MPC treffen auf akustisches Schlagzeug und Percussion, Bass und Bläser auf Loops, Gitarren und Effekte. Hip-Hop, Dub und Afrobeat begegnen Jazz, Improvisation und psychedelischen Klangräumen – nicht als stilistische Zitate, sondern als selbstverständliche Bestandteile einer gemeinsamen musikalischen Sprache. Entstanden ist Full Bloom in München aus der Begegnung von Musikern mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen. Miko Rein, Alexis Boettcher und Multiinstrumentalist Sascha Lüer entwickelten ein Projekt, in dem Komposition, Produktion und Improvisation von Anfang an ineinandergreifen. Mit Gitarrist Tilman Brandl ist Full Bloom heute ein Quartett, dessen Instrumentierung bereits viel über seine Musik erzählt.
2023 erschien mit Time Zones das Debütalbum auf dem Münchner Label Ilian Tape. Die Verbindung ist kein Zufall: Full Bloom teilt mit dem Umfeld des Labels ein Interesse an Sound, Rhythmus und elektronischer Musikkultur, überträgt diese Haltung jedoch auf das unmittelbare Zusammenspiel einer Band. Dabei ist Elektronik bei Full Bloom weder Dekoration noch nachträgliches Produktionsmittel. Die MPC 1000, Loops und Effekte sind ebenso Teil des Ensembles wie Schlagzeug, Percussion, Bass, Gitarren und Bläser. Elektronische und akustische Klangerzeugung greifen ineinander, bis sich kaum noch sagen lässt, wo Band aufhört und Produktion beginnt. Im Zentrum steht der Groove. Polyrhythmische Strukturen und verschobene Beats können sich verdichten, auseinanderbrechen oder plötzlich Raum für Improvisation schaffen. Ein Loop wird zum Ausgangspunkt für ein Stück, eine Melodie taucht auf und verschwindet wieder, Bläser und Gitarreneffekte verändern den harmonischen Raum. Bei aller klanglichen und rhythmischen Vielschichtigkeit bleibt die Musik körperlich und unmittelbar. Gerade live zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich. Die Stücke sind keine unveränderlichen Arrangements, sondern Ausgangspunkte. Formen können sich ausdehnen, Beats aufbrechen, improvisierte Passagen entstehen und einzelne Motive von Konzert zu Konzert eine andere Bedeutung bekommen. Die vier Musiker reagieren aufeinander – und auf das, was im jeweiligen Moment entsteht.So bewegt sich Full Bloom selbstverständlich zwischen Jazzquartett, Produzentenkollektiv und Live-Act. Die musikalischen Welten, aus denen die Band schöpft, werden dabei nicht nebeneinandergestellt. Sie überlagern sich: die Offenheit des Jazz, die Körperlichkeit von Hip-Hop und Afrobeat, die räumliche Tiefe des Dub und die Klangästhetik elektronischer Musik. Was mit Time Zones begann, wird mit dem entstehenden zweiten Album konsequent weitergeführt. Dabei verschwimmen nicht nur musikalische Genres, sondern auch die Grenzen zwischen Improvisation und Komposition, Aufnahme und Produktion, Studio und Bühne. Bis zur Veröffentlichung des zweiten Albums im ersten Halbjahr 2027 lässt sich dieser Prozess bereits dort erleben, wo Full Bloom am unmittelbarsten funktioniert: live.
Full Bloom macht Musik für den Kopf, die nicht vergisst, dass darunter noch ein Körper hängt.
